Amt und Herrschaft

Wann das Amt und die Herrschaft Großkirchheim gegründet wurden ist nicht bekannt. Man könnte vermuten, dass der Ursprung auf das Fränkische Reich unter Karl d. Gr. zurück geht, weil dieser schon seine Gebiete an Grafen vergab, die auch die Gerichts- und Polizeigewalt inne hatten und diese wirtschaftlich zusammengehörigen Gebiete schon von einem Gut oder Amte aus verwalten ließ. 1054 wird die Herrschaft Großkirchheim erstmals urkundlich erwähnt, als die Tochter oder Witwe, namens Luitkard, eines Lurner Grafen, Aribo, den Sohn des bayrischen Pfalzgrafen Hartwich heiratete und als Mitgift die Herrschaften Großkirchheim und Lienz mit in die Ehe brachte.

Schlössl Großkirchheim

Schlössl Großkirchheim

Das Amt und die Herrschaft Großkirchheim umfasst damals schon genau das Gebiet der heutigen Nationalparkregion Hohe Tauern und den vier Gemeinden Heiligenblut, Großkirchheim, Mörtschach und Winklern. Die Grenze zum damaligen erzbischöflichen Salzburger Besitz Rangersdorf und Stall war die gleiche wie die heutige Gemeindegrenze zwischen den Gemeinden Winklern und Rangersdorf. Das ganze Gebiet von der Grenze bei Lainach talaufwärts bis zum Großglockner, dem Johannisberg und der Hohen Riffl einschließlich aller Seitentäler gehörte zur Herrschaft "Kirchheim". Bis um 1450 sprach man nur von der Herrschaft "Kirchheim". Erst ab dieser Zeit wurde zwischen Großkirchheim und Kleinkirchheim unterschieden. Dies wird wohl mit der Installierung der Landgerichte notwendig geworden sein.

Die gleiche Ausdehnung wie die Herrschaft Großkirchheim hatte auch das Landgericht Großkirchheim und in der französichen Zeit die franzsösische Mairie und später die Obergemeinde Döllach. Über die Herkunft des Namens Kirchheim bzw. Großkirchheim gibt es zwei Versionen. Die eine besagt, dass im Mittelalter hier im Oberen Mölltal das Geschlecht der Kirchheimer begütert gewesen sei oder die Güterverwaltung innegehabt habe und dadurch dem Schloss und der Landschaft seinen Namen gegeben habe. Der Namen Kirchheimer kommt heute noch in der Gemeinde Rangersdorf als Familienname vor. Diese Version könnte auch durch eine Burg im Feld vom Oberen Burgstaller, die 1180 schon als Ruine genannt wird, untermauert werden. Man kann annehmen, dass es sich bei dieser Ruine um die Reste der ganz alten Burg Kirchheim handelt, von der man wohl weiß, dass es sie gegeben hat, aber der genaue Standort ist nicht bekannt. Nachdem aber diese Ruine im Burgstallerfeld südl. der Sagritzerbrücke urkundlich feststeht und auch das Gelände voll für einen Burgenbau geeignet war, ist sicher anzunehmen, dass es sich dabei um die ganz alte Burg Kirchheim handelt.

Die zweite Version sagt, dass der Name Kirchheim vom slawischen Wort "Circnica", was auf Deutsch Kirchbach oder Kirchengegend heißt, abgeleitet wurde und auf die Landschaft und das Schloss übertragen wurde. Dem Volksmund nach soll in ganz alter Zeit im Zirknitztal, beim Schrallanger, eine Kirche mit Friedhof bestanden haben, die dem Bach und dem Tal den Namen gegeben haben. Das Zirknitztal erstreckt sich von Döllach nach Nordosten. Der Zirknitzbach durchfließt die Ortschaft Döllach. Um 1100 wird in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Admont bereits ein Weiler Sagritz genannt. 1157 kommt der Weiler Sagritz und das Gut Kirchheim in den Besitz von Kloster Admont. In diese Zeit könnte wohl auch die Entstehung der weltlichen Güterpropstei des Stiftes Admont in Sagritz fallen, von der aus die Verwaltung der Admontschen Besitzungen erfolgte (heute Altbau vlg. Litzelhofer in Sagritz). 1299 wird in der Vorderen Grafschaft Görz, diesseits der Mühlbacher Klause in Südtirol, das erste Gesamturbar über alle Güter und Grenzen, die Lehensleistungen und Einkünfte der einzelnen Ämter, angelegt.

Ende des 12. und Anfang des 13. Jhdt. wurden die Großverwaltungen der Grafschaften aufgelassen und es treten kleinere territoriale Ämter als Gebietseinheiten, die zum Zwecke der wirtschaftlichen Verwaltung gegründet wurden, an ihre Stelle. Diese Ämter wurden später auch zur Grundlage der räumlichen Einteilung der Gerichte. Die Görzer hatten im heutigen Kärntner und Osttiroler Raum vier Ämter: Kirchheim, Falkenstein, Lienz und Drauburg. 1547 wird von einem Amt und Landgericht zu Döllach in Großkirchheim gesprochen. Das Amt und das Landgericht wurden nach den Urkunden stets zusammen vergeben. 1460 verlieren die Grafen von Görz die Herrschaft Großkirchheim, sie kommt an das Haus Habsburg. 1504 kamen das Amt und das Gericht an den Grafen Lodron. 1523 an seinen Schwiegersohn Ungnad. In späterer Folge an Christoph Schlaminger. Von diesem 1555 an Christoph Weitmoser, 1564 an den Grafen von Ortenburg, mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit. 1612 wurde es an Urban von Pötting verpfändet und 1614 von diesem als freies Eigen verkauft.

Zwischen 1473 und 1532 brachen die Türken mehrmals in Kärnten ein. Das hiesige Gebiet wurde nicht direkt berührt. Es mussten aber Männer zum Kriegsdienst gestellt und erhöhte Steuern bezahlt werden. Einmal stellte die Herrschaft Großkirchheim 547 Mann gleichzeitig, die aus Bauern und Knappen rekrutiert wurden. Ob zu dieser Zeit, der heute nicht mehr begehbare unterirdische Gang, von Döllach über den Putzenhof zum Litzelhof und weiter bis zur Antoniuskapelle angelegt wurde oder dieser schon wegen der Kanppenaufstände gebaut wurde, kann nicht gesagt werden.

In der Zeit um 1700 war das Schloss und die Herrschaft Großkirchheim im Besitz von Martin Strasser, Gewerke und zugleich Landrichter in Großkirchheim. 1777 - 1782 war Freiherr von Ankershofen Besitzer der Herrschaft Großkirchheim. 1866 wird die Herrschaft Großkirchheim aufgelassen. Mit ein Grund wird wohl sein, dass die Herrschaft nur wenig Eigengrund besaß und dadurch nicht lebensfähig war. Andererseits aber durch die Grundentlastung die Einnahme von Pacht- und Lehensgeldern wegfiel. Auch die neu organisierte Verwaltung bedurfte der Herrschaft nicht mehr. So hat sich eine Einrichtung überlebt, die fast ein Jahrtausend das Leben und die Geschicke der Menschen hier bestimmt und geprägt hat. Denn die ganze Zeit herauf war es für die Menschen hier weniger von Bedeutung zu welchem Herrn das Gebiet gehörte, hautnah war die Herrschaft, die Verwalter, Pfleger und Vögte, von deren persönlicher Einstellung und Laune das Wohl und Wehe der Untertanen abhing. 1865 kaufte der Winklerner Notar Aicher von Aichenegg das Schloss Großkirchheim und die Reste des Herrschaftsbesitzes. Das Schlössl ging in einen anderen Besitz über.